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75 Jahre Kosakentragödie: Ausstellung stellt Frauen ins Zentrum

Geschrieben von: Harald Stadler und Philipp Lehar, 03.06.2020

Bei Kriegsende strandeten rund 25.000 Kosaken im Lienzer Talboden. Darunter waren etwa 3.000 Frauen, Kinder und alte Menschen. Die Reaktionen der Einheimischen waren vielfältig von Angst bis Neugier. Die Briten übergaben schließlich die Kosaken in Judenburg an die Sowjets. Höhepunkt der Zwangsrepatriierung war der 1. Juni 1945. 

Aufgrund der aktuellen Situation wird pünktlich am 1. Juni eine virtuelle Ausstellung mit dem Titel „Sie teilten ihr Schicksal – Die Frauen und die Kosakentragödie von Lienz 1945“ online gehen. Die Präsentation im World Wide Web ist zusätzlich eine Chance um Interessierte in aller Welt zu erreichen. Daher werden die Inhalte auch in englischer, italienischer und russischer Sprache verfügbar sein. Ein Team des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck unter der Leitung von Harald Stadler und Philipp Lehar steht wie bei den drei vergangenen Ausstellungen (2005, 2010 und 2015) hinter dem Projekt. Für die technische Umsetzung war Brigit Danthine vom Arbeitsbereich für Geometrie und Vermessung verantwortlich. „Die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit bietet einmal mehr große Chancen“, so die junge Wissenschaftlerin.

Erstmals stehen dabei die Frauenschicksale, die lange im Schatten waren, im Zentrum einer Ausstellung in Lienz. So werden ihre Rolle in der Gesellschaft, die Geschichte berühmter Kosakenfrauen und Lebensgeschichten von nicht deportierten weiblichen Personen präsentiert.

Nicht nur für die Kosaken bildete Lienz eine wichtige Station, auch für viele andere Flüchtlinge und Vertriebene war das Lager in der Peggetz Heimat auf Zeit. Stellvertretend für viele Schicksale steht die in der Ausstellung vorgestellte Lebensgeschichte von Cilka Rozman aus Slowenien: Sie lebt heute in einem Altersheim in Kanada. Ihr Sohn Joseph hat Fotos und Informationen seiner Mutter über ihren Aufenthalt in Österreich zur Verfügung gestellt. „Wenn es möglich ist, möchte ich die Orte von denen sie erzählt hat besuchen“, schrieb er in einer E-Mail.

Abgerundet wird die Präsentation mit Kleinfunden aus den aufgelassenen Kosakenlagern, die die Bedeutung der Archäologie im Gesamtprojekt demonstrieren. Das Prunkstück bildet ein Kosakendolch mit Goldauflage aus Nörsach, der 75 Jahre auf seine wissenschaftliche Bearbeitung wartete.

Auf den Webseiten des Vereins zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie und der Dolomitenbank ist die Ausstellung seit 1. Juni abrufbar: https://www.dolomitenbank.at/ und https://www.kosaken-lienz1945.com/









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